Rezensionen

The Hate U Give – Angie Thomas

Die 16-jährige Starr führt zwei Leben: Mit ihrer Familie wohnt sie in Garden Heights, einem von Gangs kontrollierten Schwarzen-Viertel, in dem sie geboren und aufgewachsen ist. Wie ihre beiden Brüder besucht sie jedoch eine «weisse» Privatschule. Zwei Welten, die Starr strikt zu trennen gelernt hat. «Ich habe mir angewöhnt, mit zwei verschiedenen Stimmen zu sprechen und unter bestimmten Leuten nur bestimmte Dinge zu sagen. Darin war ich meisterhaft.»
Auf einer Party in Garden Heights trifft Starr ihren besten Freund aus Kindertagen wieder. Schüsse fallen. Gemeinsam laufen die beiden davon. Kurz darauf wird ihr Wagen von einem weissen Polizisten gestoppt und Khalil vor Starrs Augen erschossen. Tief traumatisiert schweigt Starr, empfindet das aber zunehmend als Verrat an Khalil und ihrer Herkunft. Erst als es in ihrem Viertel zu Demonstrationen und Plünderungen kommt und Khalils Tod zunehmend instrumentalisiert wird, bricht sie ihr Schweigen. Sie will, dass der Polizist angeklagt und verurteilt wird. Doch dazu kommt es nicht.
«The Hate U Give» greift ein hochbrisantes Thema auf: die brutalen Übergriffe polizeilicher Ordnungskräfte gegenüber Schwarzen, die in den Vereinigten Staaten immer wieder zu massiven Unruhen führen. Eindringlich und packend erzählt, schildert die Autorin Starrs Zerrissenheit, verzichtet dabei auf Schwarzweiss-Malerei und Klischees und gibt so authentisch Einblick in das Leben in den verarmten Vierteln in den USA. Ihre lässige, Slang-durchsetzte Sprache (ein grosses Lob an Übersetzerin Henriette Zeltner!) trifft den Ton rebellierender Jugendlichen perfekt und fängt die Gefühle der Altersgruppe überzeugend ein. Ein kluges und wichtiges Buch, das in den USA auf Anhieb Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste eroberte, und dem man überall auf der Welt ähnliche Erfolge wünscht.

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